Flüchtlinge in Marl - Homepage Jochen Stelzer

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Flüchtlinge in Marl

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Marl funktioniert erstaunlich gut                                  09.09.2015

In Marl leben derzeit ca. 700 Flüchtlinge, über 350 Asyl suchende Menschen sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, die 100 Flüchtlinge in der Rundsporthalle noch nicht mit eingerechnet.
Man kann unsere Stadt Marl in vielerlei Hinsicht kritisieren und das oft zu Recht. Eine Stadt ist immer nur so gut, lebendig und sozial, wie ihre Strukturen es zulassen. Und diese Strukturen werden von den Bürgerinnen und Bürgern mitgestaltet und mit Leben gefüllt. Das vorbildliche Engagement der Marler Communauté belegt sehr nachdrücklich, dass Marl funktioniert. Bei uns ist die „Willkommenskultur“ erstaunlich schnell und umfassend von einem gut gemeinten Schlagwort in mitfühlendes Engagement umgesetzt worden. - Vielleicht sollte der Rat der Stadt Marl einmal den Bürgerpreis für soziales Engagement allen Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt verleihen, sie hätten es verdient.
Die Marler „Willkommenskultur“ schöpft ihre Inspiration und Kraft aus vielen Wurzeln. Das sind die Kirchengemeinden mit ihrem vielseitigen Engagement für die „eine Welt“; da sind die Wohlfahrtsverbände und Einzelinitiativen mit ihren Hilfsprojekten besonders für Osteuropa. Einen nicht unerheblichen Anteil an der lebendigen Marler „Willkommenskultur“ kommt der CIAG mit dem „Abrahamsfest“ zu.
Neben dieser organisierten „Willkommenskultur“ beeindruckt das private Engagement vieler Helferinnen und Helfer. Sie geben Deutschunterricht, leisten täglich ehrenamtlich medizinische Hilfen, fungieren als „Lotsen“, übersetzen als Dolmetscher, organisieren Freizeitaktivitäten usw. Das ist gelebte Solidarität!
Allen weitsichtigen Aktiven und Organisatoren ist aber auch klar: Deutschland hat sich zu einem Einwanderungsland gewandelt; die „Willkommenskultur“ muss sich daher verstetigen und muss verlässlich und dauerhaft organisiert und finanziert werden. Zu hoffen ist daher, dass die zu beschließenden Bundesmittel für die Flüchtlingshilfen in Höhe von 6 Milliarden Euro zügig zu den Kommunen kommen und der Anfang einer dauerhaften, aufgabengerechten Finanzierung der Flüchtlingshilfe ist. Das Asylrecht ist grundgesetzlich garantiert, ist eine Bundesaufgabe, für deren Umsetzung der Bund die Hauptverantwortung trägt.
Wir hier in Marl müssen den eingeschlagenen Weg bei unserer Flüchtlingshilfe weitergehen, den sich ändernden Bedarfen anpassen und weiter ausgestaltet. Es gibt viele Ideen, die es wert sind, umgesetzt zu werden:

· für die Begleitung der Flüchtlinge ist auch zukünftig ehrenamtliches Engagement unerlässlich nötig und muss durch entsprechende Rahmenbedingungen sichergestellt werden;
· die Begleitung der Flüchtlinge ist sozialräumlich zu organisieren und benötigt einen Verantwortlichen in jeder Gemeinschaftsunterkunft;
· die Orientierungshilfen für ein integriertes Leben in Marl sind zu optimieren;
· das Erlernen der deutschen Sprache ist für Erwachsene und für Kinder niederschwellige auszubauen;
· die Angebote zur Förderung eines gemeinschaftsorientierten Lebens sind auszubauen und weitere Akteure mit neuen Angeboten sind anzuwerben. Diese soziokulturellen Angebote brauchen verlässliche personelle und finanzielle Ressourcen;
· Begegnungsmöglichkeiten zwischen Flüchtlingen und der Bevölkerung in den Quartieren ist von den quartiersnahen Verbänden und Organisationen in Kooperation mit bestehenden Angeboten auszubauen;
· zentrale Veranstaltungen an geeigneten Orten;
· die Sozialberatung für Flüchtlinge ist mit hauptamtlichem Personal sicherzustellen und auszubauen. Sie muss den Asyl suchenden Menschen eine gute Aufnahme in Marl ermöglichen und ihnen Hilfe beim Umgang mit dem Flüchtlingsschicksal anbieten. Darüber hinaus sollte sie Schutz- und Eingliederungsmöglichkeiten in Marl aufzeigen und über die Rückkehr- oder Weiterwanderungsmöglichkeiten informieren.

Der weitere vor uns liegende Weg wird beschwerlich und anstrengend sein und benötigt von uns allen einen langen Atem. Ich bin mir aber mehr als sicher, dass wir Marler diese Herausforderung meistern, denn Marl funktioniert doch ganz ordentlich.
 
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