Leserbrief zur Problematik Im Singelsen - Homepage Jochen Stelzer

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Leserbrief zur Problematik Im Singelsen

Archiv > 2003
Marl, den 22.5.2003

Leserbrief " Anwohner lehnen Jugendwohngruppe Im Singelsen ab"

Die ablehnende Haltung der Anwohner der Straße " Im Singelsen " macht mich betroffen. Kann man allen ernstes gegen eine Wohngruppe sein, in der neun Kinder und Jugendliche unter familiären Bedingungen aufwachsen sollen? Mit neuem, wegweisenden Konzept, bietet der Landschaftsverband eine auch von der Politik gewünschte Wohnform für Kinder und Jugendliche an. Bisher waren sie in den städtischen Kinderwohnungen im Kinder- zentrum Hagenbusch untergebracht. Mit den neuen, dezentralen Wohnungen des LWL wird die Ghettoisierung vermieden und ein sozialraumorientiertes wohnen für die Kinder und Jugendlichen geschaffen. Das ist human, kindgerecht und entspricht den heutigen pädagogischen Ansätzen.

Was mich als Ausschussvorsitzenden des Ausschusses für Kinder Jugend und Familie sehr betroffen stimmt, ist der Unterton der ablehnenden Haltung der Anwohner. Neun Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Lebensphase besondere Zuwendung benötigen, erfahren sich durch den Anwohnerprotest als unerwünscht, Menschen zweiter Klasse, als Schmutz- fleck in einer Siedlung. Wahrscheinlich schwingt unter der Hand bei den Anwohnern sogar die Sorge mit, dass " kriminelle Elemente" demnächst zu ihrer Nachbarschaft zählen. - Liebe Anwohner " Im Singelsen ": würden sie genauso reagieren, wenn eine kinderreiche Großfamilie in ihre Nachbarschaft zieht?

Ich will Worte wie Toleranz, Solidarität und soziale Kompetenz nicht überstrapazieren. " Im Singelsen " geht es um eine Wohngruppe für Jugendliche und nicht um den Bau eines " Gefängnisses" oder einer " geschlossenen Anstalt" mit gefährlichen Insassen.

Um die Diskussion zu versachlichen empfehle ich den Anwohnern eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit dem Wohngruppekonzept des Landschaftsverbandes.

Die bisher gelaufene Diskussion erinnert mich sehr stark an die emotionale Diskussion bei der Umwandlung des ehemaligen Hotels „Haus Witt“ an der Breddenkampstraße in ein Wohnheim für psychisch Kranke durch das Sozialwerk St.Georg e.V. Dies Wohnheim ist heute vorbildlich in die Siedlung integriert und die früheren Anwohnerbedenken sind gegenstandslos.

Diese Solidarität und Toleranz wünsche ich den Anwohnern und verknüpfte sie mit der berechtigten Hoffnung, dass die Wohngruppe des LWL zur positiven Belebung der Siedlung " Im Singelsen " beitragen wird. 
 
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