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Predikt ZDF Fernsehgottesdienst

Archiv > 1981
Dieses Glaubenszeugnis hielt ich als Dialogpredikt anlässlich des UNO Jahres der Behinderten am 25.Januar 1981 mit Pfarrer Förster in St. Bonifatius in Nürnberg

Liebe Gemeinde!
"Als Christen brauchen wir kein Jahr des Behinderten, um partnerschaftlich mit unseren behinderten Mitmenschen zusammenzuleben. Unsere Nächstenliebe bedarf keiner besonderen Aufforderung durch die UNO.“ Das sagte ich einem Freund, als er meinte, mein Glaubens¬zeugnis hier sei der katholische Beitrag zum Jahr des Behinderten. - Die frohe Botschaft zeigt uns den Weg.
Denn: Schon unser Glaube setzt die Kraft frei, seinen Nächsten so anzunehmen, wie Gott ihn geschaffen hat. Aus diesem christlichen Selbstverständnis heraus, gehöre ich dazu, erfahre es täglich in meiner Gemeinde, bin Teil der Glaubensgemeinschaft, die ihren Ur¬sprung in Jesus hat.
Wo Christen sich auf Jesu Wort einlassen, ist ja täglich das Jahr des Behinderten.
Jesus hat uns das vorgelebt und möchte, daß wir es ihm gleichtun. Er hat in seinem Leben und Wirken Zeugnis abgelegt von der umfas¬senden Liebe, der Liebe zu allen Menschen - besonders zu denen, die damals wie heute am Rande der Gesellschaft leben. Er ebnete ihnen den Weg in die Gemeinschaft.
Wer also an Ihn glaubt, gehört dazu.
Im heutigen Evangelium sagt Jesus zu Petrus und Andreas: „Kommt her, folgt mir nach. Ich will euch zu Menschenfischern machen." Sie trennen sich schweren Herzens von ihren Familien, geben eine Ver¬antwortung auf. Sie übernehmen eine neue Tätigkeit, jeder mit seinen Fähigkeiten und seinen menschlichen Schwächen. Denn nicht alle Men¬schen sind gleich.
Jeder beginnt sein Leben mit unterschiedlichen Vorgaben. Soziale Unterschiede schaffen Abstufungen und bilden Kategorien, in die wir unsere Mitmenschen vorschnell einordnen. Wir befinden uns in der Gefahr, den Wert der anderen nach ihrem jeweiligen sozialen Rang, nach ihrem Äußeren zu beurteilen.
Mancher Mensch, der diese gesellschaftlichen Zwänge, die von Men¬schen geschaffene Ungleichheit, besonders stark spürt, wird sich nun die Frage stellen: Wie kann ich Jesus folgen, wenn ich in mei¬nem Leben so augenfällig benachteiligt bin? Verlangt mein Glaube, dass ich meinen Job kündige, meine Familie verlasse, um sein Jünger zu werden? Und einige Behinderte werden unsicher fragen: Wie kann ich als Behinderter Ihm folgen?
Auf alle diese Fragen gibt es eine mutmachende Antwort: Im Glauben an unseren Herren ist jeder unterschiedslos ein von Gott geliebter, ein von Gott gebrauchter Mensch, ist Jünger Jesu Christi. Wenn Jesus jemanden bevorzugt, dann sind es die Unterdrückten, Kranken, Ver¬lassenen und Hungrigen.
Folge mir - ist ein dauernder Auftrag, mein Leben bewusst anzunehmen - unabhängig von Gesundheit oder Behinderung. Im Vertrauen auf Christi Wort soll sich jeder mit seinen Möglichkeiten einbringen, da er die hoffnungsvolle Gewissheit hat: Ich gehöre dazu. Ich habe eine Auf¬gabe, ich bin Spiegel für meinen Nächsten, denn jeder kann entdecken helfen, was dem anderen fehlt. Jeder kann in der Begegnung dem an¬deren helfen, das Fehlende neu zu gewinnen. Indem ich sehe, was ihm fehlt, merke ich erst, was mir gegeben ist.
Da mein Leben als Rollstuhlfahrer auf vielschichtige Weise mit dem Leben meiner Mitmenschen verflochten ist, trage ich auch Verant¬wortung für meinen Nächsten.
Wir können und dürfen die Hinwendung Jesu zu den Menschen weiter¬tragen - in den Familien, am Arbeitsplatz, am Krankenbett, im Be¬kanntenkreis. Wer seine Berufung versteht, entscheidet sich für den Nächsten, macht Mut zum Leben. Zu seinen Jüngern zu gehören, be¬deutet: In meinem persönlichen Umfeld und mit meinen begrenzten Mög-lichkeiten Hoffnung wecken, menschliche Zuwendung und Begegnung fördern und füreinander leben. Denn: Leben ist Auftrag. An jeden Menschen richtet Jesus den Auftrag: Folge mir nach - also auch an Sie und an mich.
Wenn wir mit dieser Nachfolge ernst machen, sind wir nicht allein. Die Liebe Gottes begleitet uns. Und so können wir erfahren, was es heißt:"Er heilte alle."


 
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