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So viel Lebensmut ist schon fast beschämend

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Blog von Robert Klose

So viel Lebensmut ist schon fast beschämend
11. November 2011 11:27 (Marler Zeitung)

Diesen Termin werde ich so bald nicht vergessen. Es war es weit mehr als ein Termin - ein Erlebnis, ein Zusammentreffen mit einem mehr als ungewöhnlichen Menschen. Schön, dass in meinem Beruf so etwas möglich ist. Und schön, dass ich anderen von einem solchen Menschen erzählen kann.


Manchmal laufen wir Zeitungsleute ja Gefahr, auch die Treffen, die Gespräche mit anderen Menschen als täglich wiederkehrende Routine wahrzunehmen. Das ist eine der schönsten Seiten meines Berufes, immer wieder neue Leute zu treffen, zu fragen, zu diskutieren, die Welt mal durch andere Augen zu sehen. Das sollte nie völlig zur Routine werden. Daran erinnert hat mich jetzt Jochen Stelzer.

Viele Marler werden bei diesem Namen aufhorchen, sich am Hinterkopf kratzen und leise murmeln: Den kenne ich doch irgendwo her... Gut möglich, dem heute 60-Jährigen kann Jeder schon mal begegnet sein. Bei den Jusos, in der SPD, bei der AWO, in der insel, bei der Grimme-Preis-Verleihung, bei diversen Talkshows auf dem TV-Bildschirm... Diese Reihe ließe sich fast endlos fortsetzen. Ein Mann mit scheinbar unerschöpflicher Energie blickt zurück. Ein Mann, der hilflos zusehen muss, wie seine Kräfte schwinden.

Jochen Stelzer hat Muskelschwund, das weiß er seit seinem 16. Lebensjahr. Trotz aller Forschung, trotz aller modernen Medikamente haben alle Mediziner dieser Welt gegen diese Erbkrankheit noch kein Mittel gefunden. Der eigene Körper erklärt dem Betroffenen den Krieg. Und der Kranke hat keine Chance, zu gewinnen. Stelzer ist überzeugter Sozialdemokrat. Vielleicht hat er sich an die Devise von Willy Brandt erinnert: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Schon als Jugendlicher hat der unheilbar Kranke der Kampf aufgenommen. Und Etappensiege erkämpft, um die ihn mancher Gesunde beneiden dürfte. Er ist bis heute anerkannt und angesehen - nicht weil er behindert ist, nicht obwohl er behindert ist, einfach als beeindruckender Mensch.

In den letzten Jahren ist er aus dem Stadtbild verschwunden - nicht freiwillig. Am Ende hat die Krankheit ihn ins Bett gezwungen. Da liegt er nun - und denkt immer noch nicht daran, aufzugeben. Wer wissen will, was er sich für die nächste Zeit so alles vorgenommen hat, der muss schon ein bisschen Zeit mitbringen. Jochen Stelzer, der nach Ärzte-Prognose kaum hälter als 20 Jahre hätte werden dürfen, hat sich selbst zum 60. Geburtstag sein erstes Buch - eine Biographie - geschenkt. Weitere sollen folgen, er hat schon tausend Ideen im Kopf und den Druckball seines Laptops in der Hand. Und er mischt sich immer noch ein, wenn die heißen politischen Eisen anfangen zu glühen. Seine Stadt liegt ihm nach wie vor am Herzen.

Für alle, die auf den Geschmack gekommen sind, hier die Daten des Buches: Hans-Joachim Stelze, Mut zum Ich - der sprechende Kopf, Biographische Schlaglichter eines rettungslosen Optimisten, Pro-Business-Verlag, 434 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-86386-087-5
 
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